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Geniale Dilletanten Sub-Kultur der 1980er Jahre in West- und Ostdeutschland

 

Geniale Dilletanten

Sub-Kultur der 1980er Jahre in West- und Ostdeutschland

 

Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

Ab Ende der 1970er Jahre erregt in Deutschland ‒ im Westen wie im Osten ‒ eine künstlerische Alternativszene mit Protest und Provokation Aufsehen und Anerkennung. Die Akteure setzen nicht auf virtuoses Können, sondern streben nach Selbstorganisation im Sinne des Do-It-Yourself-Gedankens. Sie handeln, denken und inszenieren sich jenseits gängiger Kunstnorm und gesellschaftlicher Erwartungen. Sie sind laut, roh, experimentell und vor allem wild, auf der Suche nach einer neuen, schockierenden Ästhetik.

Die Wegbreiter der alternativen Szene im Westen gründen eigene, unabhängige Plattenlabels, Magazine, Galerien und Clubs. Der absichtlich falsch geschriebene Titel eines Festivals im (West-)Berliner Tempodrom wird 1981 zum Synonym für diese westdeutsche Subkultur: „Geniale Dilletanten“. Im Osten entwickelt sich eine Dynamik, die besonders durch die Grenzüberschreitung von einem künstlerischen Medium zu einem anderen, von der bildenden Kunst zur Musik, zum Super-8-Film, zur Performance, zum Text und zum Theater in den 1970er und 1980er Jahren geprägt ist und in keiner Weise in das SED-Staatssystem passen will.

In der Ausstellung „Geniale Dilletanten“ im Dresdner Albertinum trifft die westdeutsche Subkultur der 1980er Jahre auf die alternative Musik- und Kunstszene in der DDR jener Zeit. Das Aufbegehren und die Radikalität artikulierten sich in Musik, Kunst und Mode auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs unterschiedlich, doch in der Gegenüberstellung werden auch Parallelen und sogar grenzüberschreitende Berührungspunkte sichtbar.

 

Im ersten, vom Goethe-Institut konzipierten Teil der Ausstellung, der zuvor bereits in München und Hamburg zu sehen war, stehen Bands aus der BRD wie Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.), Einstürzende NeubautenMania D./Malaria! Palais SchaumburgDer Plan oder Die Tödliche Doris, Freiwillige Selbstkontrolle / F.S.K. sowie als Exkurs in den Osten die Band Ornament und Verbrechen (DDR) im Fokus. Bilder wie Bernd Zimmers 28 Meter langes U-Bahn-Bild, „1/10 Sekunde vor der Warschauer Brücke“ und Rainer Fettings „Erstes Mauerbild“ erzählen von der Malerei der „Neuen Wilden“ und deren Anteil an dieser Subkultur.

Im zweiten, für die Dresdner Ausstellung erweiterten Teil charakterisieren KünstlerInnen wie A. R. Penck, Helge Leiberg, Christine Schlegel, Ralf Kerbach und Klaus Hähner-Springmühl und Bands wie AG GeigeOrnament und VerbrechenZwitschermaschine37,2, Pfff..., RennbahnbandKartoffelschälmaschineDie letzten ReckenDie Gehirne oder Die Strafe den radikalen Normbruch in einem Klangspektrum zwischen Free Jazz, Anarcho Jazz, Free Style, Noise, Punk und NDW-Elektro abseits der institutionalisierten Kulturöffentlichkeit.
Besonders wegweisend ist das „Intermedia I“-Festival, das 1985 in Coswig bei Dresden rund 1000 Besucher anzieht. Mit Malaktionen, Experimentalfilmen, Performance, Punk, Freak Jazz und freier Improvisation werden zwei Tage lang künstlerische Freiräume besetzt.

Ebenso vielfältig wie die Normbrüche sind auch deren Zeugnisse: Videos, Fotografien, Filmdokumentationen, Malerei, Magazine, Plakate, selbstgebaute Instrumente, Design- und Kunstobjekte, Musikkassetten und Soundstationen lassen die subversive Jugendkultur der 1980er Jahre aufleuchten – in West- und Ostdeutschland.

skd