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music theatre |

Schneewitte – Semperoper Dresden - Semper Zwei | all events

 

SCHNEEWITTE – Das märchenhafte Opernerlebnis für Groß und Klein

Jens Joneleit - Musiktheater für alle ab 7 Jahren von Sophie Kassies und Jens Joneleit 

Das Märchen der Gebrüder Grimm über eine eitle Königin, ihren kompromisslosen Spiegel und die wegen ihrer jugendlichen Schönheit verstoßene Stieftochter wird in SEMPER ZWEI als moderne Kammeroper neu erzählt und ist gleich in mehrfacher Hinsicht empfehlenswert.

Da ist zunächst die gründlich entstaubte Story, in der sich die Charaktere entwickeln dürfen. Bei SCHNEEWITTE in der Fassung von Sophie Kassies rettet eine schöne und ehrenwerte Dame das halbwaise Königskind vor seinem völlig überforderten Vater. Sie zieht es liebevoll auf, als sei es ihr eigenes, was wiederum beim Monarchen die Liebe zu ihr entfacht und ihr die Krone einbringt. Auch Mutter und Tochter fühlen sich innig verbunden – bis eines Tages nicht nur der Spiegel die jugendliche Schöne bevorzugt, sondern, so der eifersüchtige Vorwurf, auch der König nur noch Herz und Thron für den Teenager bereitzuhalten scheint. Da ist er dann doch, der Stachel, der das Böse in ihr weckt und sie zum Morden antreibt. Und Schneewitte? Aus hingebungsvoller Verehrung für die geliebte Stiefmutter wird selbstbewusstes Konkurrenzverhalten. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

 

Verstört will sie nicht glauben, was ihr widerfahrt. Wäre sie das immer liebe „Schneewittchen“ der Grimms, und träfe sie auf deren nette und fürsorgliche Zwerge,  müsste sie sich keine Sorgen machen. Doch im vorliegenden Fall tun sich die vermeintlichen Retter in der Not schwer, die Heranwachsende aufzunehmen: Sie stinkt, so sagen sie, nach Mädchen, lässt das Essen verbrennen und wäscht und bügelt die Sachen zu heiß. Zu allem Unglück ist da auch kein Prinz, der sie ihnen wieder abnehmen könnte. Zuneigung sieht anders aus. Erst die heimtückischen Attacken der bösartigen Königin schweißt die Wohngemeinschaft zusammen – doch da hat Schneewitte bereits den Aufbruch in das selbstbestimmte Leben ins Auge gefasst, Ausgang offen.

Die Rolle der Stiefmutter scheint Christiane Hossfeld auf den Leib geschrieben. Mit ihrem wunderbaren Spiel wandelt sie sich glaubwürdig und nachvollziehbar von der selbstlos Fürsorgenden und gütig Mütterlichen über die vermeintlich Verschmähte zur eiskalt agierenden Mörderin (herrlich sarkastisch im Berliner Dialekt). Schneewitte ist mit Larissa Wäspy ebenfalls hinreißend besetzt. Mal ist sie das unbekümmerte, verspielte Kind, dann verzweifelt und ratlos als Verstoßene und dann wieder die schmeichelnde, um Zuneigung werbende Jugendliche. Hervorragend auch Alexander Ritter und Jost Grix in wechselnden Rollen und Funktionen (Schauspieler und Kulissenschieber) sowie das sehr gut aufgestellte Projektorchester. Sie alle fahren besonders dann zur Höchstform auf, wenn sie als Sieben Zwerge erscheinen und mit Witz ihre Vorurteile gegen den weiblichen Eindringling ausleben.

Gehen Erwachsene und Kinder in dieses erfrischend moderne Musiktheater, dürfte die Reaktion der Sprösslinge zusätzlichen Genuss verschaffen. Hier treffen die märchenkundigen Profis nicht nur auf eine neue Erzählweise, sondern auch auf äußerst komische Gesellen, Requisiten und Kostüme. Und wen die Stiefmutter vielleicht an einer Stelle auch erschrecken sollte – ja, Erwachsene können auch laut!

kulturreporterin  ks